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Online Kommunikation – das Ende der statischen Informationsverteilung

Welche Bedeutung hat eigentlich die Veränderung der Mediennutzung  in den Industrienationen  für professionelle Kommunikatoren. Der britische Online Dienstleister RealWire stellt in einem Clip (via bad pitch blog) sehr anschaulich dar, wie sich die berufliche Wirklichkeit für PR Agenturen und Unternehmenskommunikation durch Social Networks, Foren und Weblogs verändert hat.

The Online Media from RealWire on Vimeo.

MicroPR – Twitter als Forum für PR und Medien

Dass sich in Deutschland viele PR Agenturen, Unternehmens- und Verbandskommunikationen sowie die klassischen Medien mit Social Media schwer tun, ist ja unlängst bekannt. So wirken hierzulande die Ideen der Branchengrößen aus den USA, wie für Neandertaler eine Anleitung zu einer Mondlandung. Vielleicht ist das ein wenig überspitzt formuliert und gilt sicher auch nicht für jede deutsche PR Agentur, Unternehmenskommunikation oder Journalist. Doch was man sicherlich behaupten kann ist, dass die Mehrheit der Kommunikationsverantwortlichen Social Media zwar auf dem Schirm haben, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Dabei folgt die Kommunikation in Social Media vier einfachen Grundsätzen: Transparenz, Dialog, Authentizität und Geschwindigkeit. Die nutzergenerierten Kommunikationskanäle versetzen Journalisten, Blogger aber auch den einfachen Nutzer in die Lage Informationen zu recherchieren, auszutauschen und zu verteilen. Besonders Twitter bietet die optimale Austauschplattform für Informationen

Diesen Umstand hat sich die amerikanischen Social Media Relation Spezialisten zu Nutzen gemacht. Nachdem aus dem Social Media Think Tank schon die Idee der 140 Zeichen Pressemitteilung kommt, wird die Idee PR und Twitter nun weitergeführt. Das Projekt heißt MicroPR und soll Unternehmen, Agenturen und Journalisten eine Austauschplattform auf Twitter bieten.

Dabei ist die Formel, die hinter dieser Idee von Brian Solis und Stowe Boyd steckt, denkbar einfach.

Medien+PR+Twitter = MicroPR

Dieser Service soll Medien und PR zugleich von Nutzen sein. Die Idee dahinter leuchtet ein: Medienschaffende sind ständig auf der Suche nach Antworten bei ihrer Recherche – seien es Unternehmenszahlen, Branchenstatistiken oder Expertenmeinungen zu ganz bestimmtem Themenfeldern. Auf dem Twitterstream MicroPR können Journalisten ihre Fragen twittern und stellen diese damit an einen Pool von Unternehmenssprechern, Experten und PR Manager.

Brian Solis zu dem neuen Twitterservice:

Through Twitter, MicroPR connects journalists and bloggers to qualified, targeted PR professionals who can help you with the stories you’re currently writing.

Und so funktioniert MicroPR dannin der Praxis:

Eigentlich keine schlechte Idee, wenn eine kritische Masse von PR Fachleuten und Journalisten auf Twitter aktiv ist. Ob diese kritische Masse in Deutschland schon aktiv ist, wage ich zu bezweifeln, aber wer weiß wie es in einem Jahr aussieht. Sicher eine Idee, die man in Deutschland in der Wiedervorlage ablegen sollte, oder nicht !?

In Krisen liegen Chancen – Unternehmenskommunikation und Social Media

Erst aus Schaden wird man klug – das schreibt der influential marketing blog im Bezug auf Unternehmensnutzung von Social Media und liegt damit völlig richtig. Kommunikationskrisen von Marken können zu neuen Vorgehensweisen in der alltäglichen Arbeit  der Markenkommunikation führen. Dell und Comcast haben es gezeigt. Beide Brands sind schließlich nicht auf Grund  einer besonderen Kreativität  auf die Nutzung von Social Media als relevanten Kommunikationskanal gekommen. Comcast wie auch Dell mussten  erst zu spüren bekommen, was es bedeutet, Kommunikationskrisen in Social Media zu erleben. Ob es nun Clips von brennenden Laptops oder von im Einsatz schlafenden Monteuren von Comcast  auf YouTube waren – beide Brands sahen ihre Reputation durch diese Social Media Aktivitäten von Usern und Konsumenten nachhaltig in Gefahr. Daher waren diese beiden Brands gezwungen zu handeln. Sie wurden also erst durch den Schaden klug.
In Deutschland behandelt die Mehrheit der Kommunikationsverantwortlichen das Thema Reputationsmanagement in Social Media immer noch eher stiefmütterlich. Exemplarisch für diese Einschätzung waren meine Erfahrung auf der  PRofile 08 . Ein Schwerpunkt dieses Kongresses war der Umgang von PR mit Social Media. Das Ergebnis war schlicht weg ernüchternd. Gebetsmühlenartig wurde die fehlende Relevanz von Social Media für die PR und Unternehmenskommunikation der eingeladenen Sprecher betont. Besonders die Unternehmenssprecherin von Melitta Kaffee, Frau Anette Kahre tat sich meiner Meinung nach besonders hervor. Zwar würde Melitta schon Blogs beobachten, aber am Ende des Tages wäre Social Media ja eher ein Marketing Thema. Die Chefkommunikatorin des Kaffeerösters hat das Thema Social Media anscheinend noch nicht wirklich verstanden. Zuallererst sind Blogs nur ein Teil der nutzergenerierten Kommunikation und zweitens ist Social Media ein Marketing- und  Kommunikationsthema. Wie ich schon des Öfteren geschrieben habe sind PR und Marketing in den nutzergenerierten Kanälen zwei Seiten einer Medaille. Der Nutzer von Social Media Plattformen ist nämlich nicht nur Kunde und Zielgruppe des Marketingdepartments, sondern eben auch relevanter Multiplikator von Reputation und Issues.
Ich nehme an dieser Stelle mal Melitta als Beispiel für einen hypothetischen Krisenverlauf. Wie könnte sich nun eine Krisensituation, wie sie Comcast und Dell durchgestanden haben, auf das Verhalten und die Strategie der Melitta-Kommunikation auswirken?
Frau Kahre würde vielleicht merken, dass ihre klassischen Presseclipping bei Weitem nicht mehr ausreicht, um die Entwicklung von Issues auf allen relevanten Kommunikationsplattformen zu registrieren. Durch den erlittenen Reputationsschaden würde sie merken, dass sich Nachrichten in Social Media wie ein Flächenbrand innerhalb von Stunden ausbreiten und dabei immense Reichweite erreichen können. Aus diesem Grund wird sie auf ein Social Media Monitoringtool zurückgreifen, welches ihr ermöglicht in Echtzeit die Entstehung einer Kommunikationskrise zu antizipieren.
Sie würde merken, wie wichtig es ist, neben den Kontakten in den klassischen Medien, die Stakeholder für Melitta auf den Social Media Plattformen zu kennen. Wie bei dem Umgang mit den klassischen Medien, wüsste Frau Kahre, dass sie genauso den Kontakt zu den Influencern in den nutzergenerierten Medien pflegen muss. Nur durch die Pflege des Kontakts zu den entsprechenden Social Media Multiplikatoren wird Frau Kahre die Chance haben, dass man ihr bei einer aufkommenden Krise auch zuhört. Kennt man seine Influencer nicht, so vergrößert sich die Gefahr eines unkontrollierbaren Flächenbrands immens.
Eine solche Krise würde Melitta dafür sensibilisieren, dass der einzelne Blogger oder Forenposter der Anstoß sein kann,  den Stein ins Rollen zu bringen. Jede Äußerung muss daher ernstgenommen und beobachtet werden. Es sind halt nicht mehr länger die klassischen Medien die Krisen transportieren, sondern es können sehr wohl auch die eigenen Kunden sein. Qualitätsverlust hin oder her –  der Bürgerjournalismus wird zu einem relevanten Kommunikationskanal.
Ich habe den Eindruck, dass die Trauer um die Umwälzung im gesellschaftlichen Medienkonsum, mit dem angeblich einhergehenden Qualitätsverlust, eine Schutzbehauptung von vielen professionellen Kommunikatoren ist. Vielmehr handelt es sich hierbei um fehlende Strategien vieler PR Agenturen und Unternehmenskommunikatoren, die aus  Unwissenheit Rund um das Thema Social Media resultieren. Dabei sollten sie sich im eigenen Interesse  mit dem Thema auseinander setzen, bevor es sie kalt erwischt.
Da halte ich es wie Brian Solis: Engage or Die.
Die Mehrheit der Kommunikationsverantwortlichen wird sicherlich auch in Deutschland erst dann aktiv werden, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Web 2.0 und PR – der Hamburger PR Club debattiert

Am gestrigen Abend machte ich mich auf, um der Einladung des Hamburger PR Clubs zu folgen. Der PR Club lud zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Web 2.0 / Web X.0? wohin geht die Reise und wie (re)agiert die PR? statt. Zu Gast waren Faktor3 Gründer und Inhaber Volker Martens, der Geschäftsführer von achtung! kommunikation Mirko Kaminski, Sebastian Moleski von Wikipedia, Sven Starke von der Neteye GmbH und Klaus Ebert, der Geschäftsführer von Axel Springer Digital. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Keuchel, dem Google Pressesprecher für Deutschland. Wie die Besetzung des Podiums schon erahnen lässt, wurde die PR an diesem Abend in Bezug auf Social Media nicht neu erfunden. Doch war aber der Gedankengang von Volker Martens interessant. In der zukünftigen Arbeit mit Kommunikation sind keine Spezialisten mehr gefragt, sondern vielmehr werden Generalisten im Mittelpunkt stehen. Mit dieser Äußerung trifft Martens den Nagel auf den Kopf. Ich denke auch, dass PR im Zeitalter von Social Media einen interdisziplinären Ansatz verfolgen muss. Zukünftig muss die Profession der PR sich auch Marketingthemen widmen. So sind Marketing und PR in Social Media zwei Seiten einer Medaille

Die Zeiten, in denen sich die PR-Leute mit den Journalisten beschäftigt haben, während die Marketingleute Produktangebote und Werbung entworfen haben, sind bald vorbei. Denn ein Großteil der relevanten Kommunikation, welche einen Einfluss auf die Markenwahrnehmung und damit dann auch auf den Umsatz hat, findet im informellen Spannungsfeld zwischen Kneipengespräch, Empfehlungen von Freunden, Google-tauglichem Blogeintrag, Presseartikel und YouTube-Video statt.

Auch die Aussage, dass an erster Stelle jeglicher Kommunikationsaktivität in Social Media das Zuhören stehen muss, kann ich an dieser Stelle nur unterstreichen. Demnach werden die PR Agenturen und Unternehmenskommunikationen nicht umher kommen, als Grundalge ihres Schaffens ein Social Media Monitoring zu installieren. Brian Solis sieht in dieser Strategie nur Vorteile:

Listening is also instrumental in the creation of new communications and service initiatives as well unearthing the specific conversations that matter to your brand – for gathering data and also discovering opportunities to respond.

Auch Solis scheint den engen Zusammenhang zwischen Marketing und Public Relation zu sehen.

Doch ein Gast versetzte mich mit seiner Präsenz doch in großes Erstaunen – Klaus Ebert. Der Ex-Programmchef von RTL Nord mit dem Hang zu hübschen Mitarbeiterinnen und der neue Geschäftsführer von Axel Springer Digital TV saß auch auf dem Podium. Ich frage mich, wieso die Organisatoren zum Thema Bewegtbild in Social Media niemanden eingeladen haben, der im Bereich von Videoplattformen ein wenig mehr vorzuweisen hat. Wie wäre es denn zum Beispiel mit Ibrahim Evsan oder Manuel Uhlitzsch gewesen? Diese beiden hätten doch sicher interessanteren Input geben können als das Ebertsche Schulhof Gleichnis. Social Media Plattformen sind Schulhöfe… und Marketer die Eisverkäufer… und irgendwo in der Ecke stehen die coolen Jungs mit dem Kamm in der Hosenhintertasche. Herr Ebert, die coolen Jungs kenne ich aus Grease Sie kennen doch den Film mit John Travolta und den speckigen Haaren. Diese Zeiten sind aber schon mindestens 50 Jahre her.

Zumindest hatte Herr Ebert als einziger Diskutant einen Laptop vor sich aufgeschlagen. Ich frage mich eigentlich wofür. In dem Veranstaltungsraum gab es weder Wifi noch ordentlichen Handyempfang. Herr Ebert konnte aber wenigstens seine Affinität gegenüber der Social-Media-Szene mit seinem augeklappten schwarzen Macbook präsentieren. Sieht man schließlich ja auch auf so Web 2.0 Treffen.

Ich hoffe, dass die Ideen für Axel Springer frischer sind als die coolen Jungs mit dem Kamm in der Tasche.
Klaus Ebert ist mit aller Sicherheit ein sehr erfahrener Fernsehmensch, aber macht ihn das gleich zu einem guten und relevanten Vertreter des Bewegtbilds in Social Media? Ich hätte mir da etwas mehr gewünscht.